
Eine Gewinnerin des Ehrenamtes
Von: Gernot Wildt (fränkischer Tag)
Sportlerin der Woche Silvia Wagner ist Kreisehrenamtsbeauftragte und weiß, wie man Leben in einen Verein bringt.
"Jeder Verein sollte einen haben!" Aus Silvia Wagners Stimme klingt purer Enthusiasmus. Gemeint ist ein VEAB, wie das in unserer abkürzungswütigen Welt heißt. VEAB steht für "Vereinsehrenamtsbeauftragter" - dieses Amt erfüllt Silvia Wagner schon seit einigen Jahren mit Leben.
Seit 2009 ist Silvia Wagner Vorsitzende des TSV Kirchehrenbach - in einer eher männlich dominierten Welt, die von König Fußball dominiert wird. Und wenn man sich in dieser Männerwelt so umhört, lässt niemand auf "ihre Silvi" etwas kommen. Für jeden scheint die zierliche und trotzdem resolut wirkende Blondine ein Mensch zu sein, hinter dem man sich unbesorgt scharen kann. Seit 2006 war sie Stellvertreterin auf Kreisebene und wurde gerade erst zur Kreisehrenamtsbeauftragten "befördert".
Ehrenamtsbeauftragter - das klingt für manche vielleicht ein wenig betulich, ist es aber nicht. Der bisherige Amtsinhaber Heinz Rupprecht aus Ottensoos hatte sich mit seinen 75 Jahren zurückgezogen, wohl auch, weil er über kein Internet verfügt, also mit seiner Umwelt nicht online in Verbindung treten kann - in unseren kommunikationswütigen Zeiten fast schon ein Handikap.
Da tut sich Silvia Wagner etwas leichter, nachdem sie vom Bayerischen Fußball-Verband (BFV) zu Rupprechts Nachfolgerin und damit zu einem der bayernweit 24 KEAB ernannt wurde. Was aber ist die genaue Aufgabe eines Ehrenamtsbeauftragten? Das Amt gewinnt beim BFV immer mehr an Bedeutung, und das Ziel des Verbandes ist es, dass nach und nach jeder Sportverein in Bayern einen eigenen Ehrenamtsbeauftragten vorweisen kann. Derzeit weist die Landkarte des Freistaats noch ziemlich viele weiße Flecken auf, aber das soll sich ändern. "Ein Vereinsehrenamtsbeauftragter sollte darum bemüht sein, in allen Bereichen des Vereins Ehrenamtliche zu gewinnen", formuliert es Silvia Wagner. Das hört sich noch etwas abstrakt an, aber für Silvia Wagner beschränkt sich das Ehrenamtliche beileibe nicht auf die Organisation von Vereinsfesten. Sie zählt auch die Fußballspieler zu den Ehrenamtlichen, die honorarfrei kicken: "Der eine backt eben Kuchen für die Weihnachtsfeier, der andere spielt Fußball. Wo liegt da der Unterschied?"
Natürlich ist das eine rhetorische Frage, denn der Unterschied liegt auf der Hand. Aber in den Jahren ihrer VEAB-Zeit hat es Silvia Wagner geschafft, einen festen Stamm von Mitarbeitern um sich zu sammeln, die teilweise sogar nicht einmal Vereinsmitglieder des TSV sind. Sie tun es aus dem Freundes- und Bekanntenkreis heraus, mitunter als Teil der Dorfgemeinschaft, was vielleicht in Kirchehrenbach etwas leichter fällt, weil Kirchehrenbach eben kein wirkliches "Dorf" im landläufigen Sinn ist. Aber was in kleineren Dörfern im Rahmen der Dorfgemeinschaft funktioniert, klappt auch in größeren Ortschaften."Bei der letzten Adventsfeier", erzählt Silvia Wagner, "habe ich eine Liste von Leuten zusammengestellt, die immer wieder zur Verfügung stehen, wenn es im Verein etwas zu tun gibt - Männer, die handwerkliche Hilfe leisten, aber auch Frauen, die einmal einen Kuchen für Vereinsfeste backen. Als die Liste fertig war, zählten wir 138 Personen, denen wir mit einer kleinen Aufmerksamkeit unseren Dank aussprechen konnten. Und ich nehme an, dass es immer noch Kandidaten gäbe, die wir vergessen haben. Man macht sich nämlich oft keine Gedanken darüber, wie viele Menschen in einem Verein Hand anlegen!"
So ist es wohl eine der Hauptaufgaben eines VEAB, einen Beitrag dafür zu leisten, dass im Verein das Miteinander weiter gefördert wird - und zwar auf allen Ebenen. "Aktive Mithilfe bei der Vereins- und Personalstruktur in Zusammenarbeit mit der Vorstandschaft und Abteilungsleitung", so liest sich das in der Sprache des BFV.
Eine Arbeit, die nie aufhört
Wieder so eine abstrakte Formulierung. Aber der VEAB soll auch eine Art "Vereins-Außenminister" sein: "Kontaktpflege und Besuch von Veranstaltungen anderer Vereine, der Kommune, von Parteien, Schulen, Kindergärten etc.", heißt es an anderer Stelle. Und auch das ist Aufgabe eines Ehrenamtsbeauftragten: Ehrungen und Jubiläen vorschlagen; den Vorstandschaft in Sachen Ehrungsvorhaben beraten und die "Ehrenordnungen" vollziehen. Etwa muss der VEAB im Blick behalten, wenn ein Mitglied runden Geburtstag feiert oder wenn ein Jubiläum ansteht.
Mit dem Vereinsvorsitz auf der einen und dem Ehrenamtsbeauftragten auf der anderen Seite hat Silvia Wagner also ein weiteres Betätigungsfeld, als es auf den ersten Blick scheinen mag. Hinzu kommen noch Schulungen und Tagungen. Aufgabe des Kreisehrenamtsbeauftragten ist aber auch die "regelmäßige Weitergabe von Informationen an die VEAB und an Vereine, die über keinen VEAB verfügen". Und das bedeutet letztlich: Auch wenn es Silvia Wagner gelingt, die weißen Flecken auf der bayerischen Fußballkarte zu verringern, führt dies lediglich zu einer Strukturierung ihrer Arbeit. Die Information der Mitglieder wird jedoch nie abreißen.












