
Das Jahr 2009 war ein historisches für den deutschen Nachwuchsfußball. 2008 hatte die U19 den ersten Europameisterschafts-Titel für eine DFB-Junioren-Nationalmannschaft seit 1992 gewonnen. Nun komplettierten die U17 mit dem EM-Gewinn im Mai und die U21 beim Titelgewinn in Schweden eine einmalige Erfolgsgeschichte. Höhepunkt dieser Entwicklung war die Auszeichnung des DFB durch die UEFA. DFB-Sportdirektor Matthias Sammer und der für den Jugendfußball zuständige Vize-Präsident Hans-Dieter Drewitz nahmen am 7. Dezember in der UEFA-Zentrale in Nyon die Maurice-Burlaz-Trophäe für die beste Jugendarbeit in den beiden vergangenen Jahren entgegen.
Doch ein neues Jahrzehnt ist angebrochen. Eines, das den Junioren-Fußball in Deutschland vor neue Aufgaben stellt. Die Spitze - aber auch die Basis. Bei der Jugendfachtagung in Frankfurt erklärte DFB-Präsident Dr. Theo Zwanziger in seiner Eröffnungsansprache: "Die Erfolge sind beachtlich. Aber sie ermuntern uns auch, nicht nachzulassen. Unsere Jugendfachtagungen haben sich bewährt. Die Begegnung miteinander gibt uns immer wieder die Chance, uns auszutauschen und über Ideen und bereits erprobte Maßnahmen zu informieren oder zu diskutieren."
Motto: "Jugendfußball zukunftssicher gestalten"
"Jugendfußball zukunftssicher gestalten" lautet das Motto der Tagung. Die Reaktion des Fußballs auf die demographische Entwicklung in Deutschland war das zentrale Thema, das in die beiden Teilbereiche Spielbetrieb und Qualifizierung untergliedert ist. Zwanziger wies vor rund 250 Teilnehmern - den Jugendobleuten der Fußball-Kreise, den Bildungsreferenten aus dem Süden und Südwesten Deutschlands und dem Jugendbeirat - auf die besondere Verbindung des DFB mit der Basis hin.
"Unsere Aktion ,1000 Mini-Spielfelder', das Zusammenspiel von Schule und Verein, Team 2011 und das DFB-Mobil sind Aktionen, mit denen wir unserer gesellschaftlichen Verantwortung nachkommen. Wir wollen Spaß am Fußball vermitteln, Trainer ausbilden und unsere soziale Verantwortung wahrnehmen. Wir werden den Kontakt zu Ihnen halten, um durch die Nachwuchsarbeit Werte zu vermitteln, das Miteinander zu suchen und zu pflegen", sprach der DFB-Vizepräsident die Anwesenden an.

Sammer: "Die Entwicklung der Spieler ist entscheidend"
Konkrete Maßnahmen für den alters- und entwicklungsgerechten langfristigen Leistungsaufbau benannte Matthias Sammer. Der DFB-Sportdirektor hielt wie in Hannover ein begeisterndes Plädoyer für die Reform von Spielfeldgrößen zur Unterstützung dieser Entwicklung. Der Europameister von 1996 stellte zwei Modelle für den Altersbereich der D-Junioren vor: Die Spielformen sieben gegen sieben auf "halbem" Spielfeld und neun gegen neun zwischen den 16-Meter-Räumen eines Spielfeldes.
"Die Entwicklung der Spieler ist entscheidend. In dieser Altersklasse durchlaufen die Talente verschiedene Entwicklungsphasen. Diese Spielformen tragen der Komplexität des Fußballs Rechnung. Sie bringen eine höhere Anzahl von Ballkontakten, Schnelligkeit, Beweglichkeit und Koordination werden geschult. Zudem ergeben sich mehr Eins-gegen-Eins-Situationen. Spielpositionen werden nicht zu früh festgelegt. Und das wichtigste für die Persönlichkeitsentwicklung unserer Nachwuchsspieler: Die Spielfreude wird gesteigert", so der DFB-Sportdirektor.
Brückenschlag von 2005 über 2007 nach 2010
Hans-Peter Becker, Mitglied im DFB-Jugendausschuss, nahm in einem Referat eine Bestandsaufnahme des Jugendfußballs vor und präsentierte Beispiele für gelungene Reformen. Zugleich schlug er die Brücke zwischen drei für die Nachwuchsförderung entscheidenden Ereignissen: Der Jugendfachtagung 2005 in Fulda, wo der DFB über die demographische Entwicklung in Deutschland - die Überalterung des Gesellschaft - informierte. Die Tagungen 2007, wo der Dialog intensiviert wurde. Und die aktuellen Tagungen in Hannover und Frankfurt.
Im zweiten Teil des ersten Tages stellte sich Carsten Große Starmann von der Bertelsmann-Stiftung dem Dialog mit Manfred Prömel vom Fußball-Kreis Lünen. Das Thema: "Demographische Entwicklung - Infrastrukturplanungen der Kommunen. Wie ist der Sport betroffen?" Nach einem Videobeitrag, der satirisch zeigte, wie ein Sportplatz in der Zukunft zu einem Altenheim umfunktioniert wurde, erörterten die Teilnehmer ein Zukunftsszenario. In Arbeitsgruppen wurde anschließend zu folgenden Themen diskutiert: Kleinfeldfußball, Juniorenfördervereine, Reformen im Mädchenfußball. Die Tagung wird am Samstag unter anderem mit der Auswertung der Arbeitsgruppen und einer Präsentation der Kampagne TEAM 2011 fortgesetzt.












